Taijiquan (Tai Chi Chuan)

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5. Die schnelle Verbreitung des Taijiquan in der VR. China

Nach der Gründung der VR China, 1949, legte die chinesische Führung großen Wert auf das Studium, die Systematisierung und Popularisierung der traditionellen Kampfkünste, im Speziellen der Taolu. In den 60’er Jahren wurden Bücher über den Chen-, den Yang-, den Wu-, den Wu Hao- und den Sun-Stil veröffentlicht, die sich im Speziellen mit den medizinischen Aspekten und dem physischen Training befassten. Es wurden ebenfalls verschiedene Artikel und Berichte in der Presse und in den Fachmagazinen über das Taijiquan veröffentlicht. Mit der Zahl der Publikationen stieg die Zahl der Aktiven. Professionelle Kampfkunsttrainer und Amateure unterrichteten öffentlich in Hospitälern, Schulen, öffentlichen Organisationen, Fabriken, Parks oder einfach in der Nachbarschaft. Das Taijiquan erfuhr in kürzester Zeit eine noch nie da gewesene Beliebtheit.

Am 1. August 1956 veröffentlichte die staatliche Kommission für Sport und Körperkultur ein Buch über eine neuen Form des Taijiquan, das den Titel “Vereinfachtes Taijiquan“ trug. Diese Form besteht aus 24 Bewegungen, in 4 Abschnitten, auf der Basis des Yang – Stils. Wie der Name schon verrät, ist diese Variante des Taijiquan eine überarbeitete und stilisierte Form des traditionellen Yang – Stils. Die schwierigen und höheren Techniken und Bewegungen wurden nicht mit aufgenommen und die Dauer der Ausführung wurde von vormals 20 Minuten auf 5 Minuten reduziert. Natürlich erhebt diese neue Form, welche später auch als "Peking-Form" im Westen bekannt wurde, keinen Anspruch auf das volle technische Spektrum des traditionellen Yang – Stils, sondern bildet lediglich eine Basis in den grundlegenden Bewegungen des Taijiquan.
Es folgten weitere Bücher, Wandposter und Demonstrationsfilme, welche das autodidaktische Erlernen dieser neuen Form unterstützen sollten. Zu diesem Zeitpunkt wurde zum ersten Mal der traditionelle ursprüngliche Zweck der Bewegungen, und zwar der Kampf, außer Acht gelassen. Es wurde sich ausschließlich auf die Verbreitung der Bewegung als solches konzentriert.

Im Jahr 1957 wurde ein weiterer Meilenstein in der Entwicklung des modernen Taijiquan gelegt. Ein weiteres Buch wurde von staatlicher Seite veröffentlicht mit dem Titel: „Der Sport des Schattenboxens“. Dieses Buch beinhaltete eine weitere neue Form des Taijiquan mit 88 Bewegungen. Es sollte dem Übenden die Möglichkeit bieten, nach dem er die vereinfachte Form gelernt und gemeistert hatte, seine Fähigkeiten und sein technisches Können zu erweitern.

Im Jahr 1979 wurde eine weitere Arbeit veröffentlicht, welche ein weiteres technisches Spektrum abdecken sollte. Die so genannte 48-er Form wurde aus den Hauptbewegungen und Hauptaktionen aller fünf traditionellen Taijiquan – Stile choreographiert und bot dem Übenden, zusätzlich zu der Basisform mit 24 Bewegungen und der Fortgeschrittenenform mit 88 Bewegungen des Yang – Stil, einen Einblick in die verschiedenen Bewegungsmuster der übrigen Taiji – Stile.

Die IWUF (Internationale Wushu Federation) veröffentlichte im Rahmen eines kompletten Ausbildungsprogrammes des modernen Wushu neben den so genannten äußeren Stilen und Waffen (Changquan, Nanquan, Dao, Jian, Qiang und Gun) auch eine Serie von aufeinander aufbauenden Taijiquan Grundübungen. Zwei Ji Chu Tao Lu (Grundformen mit 8 und 16 Bewegungen), eine Chu Ji Tao Lu (Standartform mit 24 Bewegungen), eine Zhong Ji Tao Lu (Fortgeschrittenenform 32 Bewegungen) und eine Jing Sai Tao Lu (Wettkampfform 42 Bewegungen), sowie ein gleich struktuiertes Ausbildungsprogramm für das Taiji- Schwert.

Alle Formen und Stile, egal ob traditionell oder modern, erfreuen sich nunmehr größter Beliebtheit und werden weltweit von vielen Millionen Menschen praktiziert. Viele betreiben das Taijiquan als Sport, Andere zur körperlichen Ertüchtigung und Gesunderhaltung und vereinzelt wird das Taijiquan sogar noch als reale Kampfkunst unterrichtet.

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