Taijiquan (Tai Chi Chuan)

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3. Die Entwicklung des Taijiquan ab dem 19. Jahrhundert

Nach der Einführung der Feuerwaffen vor etwa 100 Jahren, nahm die Rolle der klassischen Faust- und Waffenkünste, im Rahmen von kriegerischen Auseinadersetzungen immer weiter ab und zwang die Kampfkunst Meister der damaligen Zeit, die Ziele und Richtungen ihrer Kampfkünste neu zu überdenken. Somit begann für das Taijiquan ein neues Zeitalter und es entstand folgender Leitsatz: „ Was ist das höchste Ziel des Taijiquan? – Es ist die Erhaltung der Gesundheit und eines langen Lebens!“. Der kämpferische Aspekt trat immer weiter in den Hintergrund und die körperliche Ertüchtigung zur Erhaltung der Gesundheit und der physischen Fitness immer weiter in den Vordergrund. Ein weiterer Grund für die Wandlung des Taijiquan war, dass die sehr schwierigen Formen, mit ihren hohen physischen Anforderungen, für die älteren Kampfkunst – Meister nur schwer zu absolvieren waren.

Chen WangtingAls die sieben, von Chen Wangting entwickelten, Boxformen in die fünfte Generation übergingen, die Zeit in der Chen Changxing (1771-1853) und Chen Youbeng lebten, beherrschten nur noch einige in dem Ursprungsort des Taijiquan, Chen Jia Gou, die 108 Bewegungen der Langfaust und die dritte bis fünfte Form des Taijiquan. Die meisten hatten sich auf die erste und zweite Form des Taijiquan, sowie das Tui Shou und die Partnerform des "klebenden Speers" spezialisiert. Zu dieser Zeit teilte sich die erste Form des Chen Shi Taijiquan in die noch heute bekannte Alte Form und in die Neue Form. Aus der Neuen Form entwickelte sich dann später wiederum der Zaobao – Stil.

Chen Youbeng entwickelte, mit dem neuen Ziel der Gesunderhaltung, die Neue Form. Sie ist eine Verlängerung der Alten Form, verzichtet jedoch im Gegenzug auf die sehr komplizierten Bewegungen der Alten Form. Chen Youbeng’s Neffe und Schüler, Chen Qingping, entwickelte ebenfalls eine Form des Taijiquan, welche langsamer und kompakter war. Wenn man diese beherrschte, konnte man sie durch wiederholende Zyklen erweitern. Das bot die Möglichkeit für den Übenden, von einer kurzen Form nach einiger Zeit des Trainings zu einer Schwierigeren zu gelangen, ohne die Form in seiner Struktur ändern zu müssen oder eine neue zu erlernen. Später nannten die Leute diese Form dann Zaobao Shi Taijiquan, da Chen Qingping nach seiner Heirat in den Ort Zaobao zog, welcher in der Nähe von Chen Jia Gou lag.

Yang LuchanYang JianhouYang Luchan (1799-1872), der die Alte Form von Chen Changxing, einem Schüler von Chen Youbeng, lernte, veränderte diese Form ebenfalls als er nach Beijing zurückkehrte. Sein Hauptgedanke war es, das Taijiquan zur Gesunderhaltung und körperlichen Fitness zu nutzen. Diese Version wurde von Yang’s drittem Sohn Yang Jianhou (1839-1917) aufgenommen und in die so genannte Mittlere Form gebracht. Yang ChengfuDiese wiederum wurde von Yang Jianhou’s Sohn Yang Chengfu (1883-1936) aufgenommen und in die letztendliche Große Form gebracht. Diese Form, welche sehr ausladend und elegant ist, entwickelte sich zu der berühmten Yang – Schule des Taijiquan, welche heute die populärste Stilrichtung des Taijiquan in China ist.

Yang Luchan und sein Sohn Yang Wu JianquanBanhou (1837-1892) gaben den Kleinen Stil an Quan You, einem Manchu, weiter. Sein Sohn Wu Jianquan verbreitete diese Form, welche daraufhin der Wu – Stil genannt wurde. Er entwickelte sich ebenfalls zu einer der bedeutensten Schulen in China. Der Stil ist dem Yang – Stil sehr ähnlich. Er ist kompakt, agil und fließend und an einigen Stellen schnell, jedoch ohne Sprünge.

Wu YuxiangWu Yuxiang (1812-1880) aus dem Kreis Yongnian, erlernte die Alte Form von Yang Luchan 1851 und die Neue Form des Chen – Stil von Chen Qingping 1852. Er entwickelte auf der Basis der Alten Form des Chen Stil’s den Wu Hao– Stil des Taijiquan. Das Wu Hao Shi Taijiquan ist ein kompakter Stil, der viel Wert auf die Körperarbeit und die innere Kraft legt.

Dieser Wu Hao - Stil wurde an Sun Lutang (1861-1932) und von ihm wiederum an Li Yiyu (1832-1892) und Sun LutangHao Weizheng (1849-1920) weitergegeben. Sun Lutang war spezialisiert auf Xingyiquan und Baguazhang. Er erlernte erst mit 51 Jahren das Taijiquan. Seine Erfahrungen aus dem Xingyiquan und Baguazhang nutzend, verband er die wichtigsten Punkte aller drei Stile miteinander und entwickelte einen neuen Stil, den Sun – Stil. Der Stil ist in den Bewegungen und Positionen denen des Yang – Stils sehr ähnlich, jedoch die theoretische Grundlage entspringt dem Xingyiquan. Er schrieb ein sehr bekanntes Buch über das Taijiquan mit dem Titel „Die Theorie des Taijiquan“.
Die Alte Form des Chen – Stil wurde 1928 von Chen Changxing’s Sohn, Chen Fake, nach Beijing gebracht. Dank ihrer großen Beliebtheit bei Alt und Jung verbreitete sie sich über die Zeit in ganz China.

Alle Schulen des Taijiquan, trotz ihrer Verschiedenheiten in Charakter und Stil, benutzen das gleiche Trainingsprinzip: "benutze entspannte Bewegungen um einen Zustand der Weichheit zu schaffen, um daraus wiederum Festigkeit zu erzeugen. Weichheit und Festigkeit ergänzen einander".

Die allgemein begrüßten neuen Formen des traditionellen Taijiquan sind ein Ergebnis des ausdauernden und harten Trainings und des Umsetzens der theoretischen Grundlagen der alten Meister. Sie können zum Erhalt der körperlichen Fitness, aber auch als Kampftechniken trainiert werden.
Alle heute am stärksten verbreiteten Stile des Taijiquan sind ein Ergebnis aus der Weiterentwicklung der ersten Form des klassischen Chen Shi Taijiquan.
Die zweite Form des klassischen Chen Shi Taijiquan, mit ihren schnellen Bewegungen, dem Stampfen, Springen und Ducken, unterscheidet sich sehr von den anderen Taijiquan – Stilen. Von den alten Waffenformen des Originalstils werden heute hauptsächlich weiterentwickelte Speer- und Schwertformen trainiert.

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4. Der heilende Effekt des Taijiquan