Der Chen Stil des Taijiquan (Tai Chi Chuan)

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Der Chen Stil wird heute als der Ursprungstil des Taijiquan angesehen, aus dem sich alle anderen heute populären Hauptrichtungen entwickelt haben. Dies wird mittlerweile durch die geschichtliche Kampfkunstforschung untermauert. Der Yang-, der Sun-, der Wu- und auch der Hao(Wu) – Stil sind direkte oder indirekte technische Weiterentwicklungen des Chen Stil.  
Der Stil entstand zur Zeit des Übergangs von der Ming- (1368 – 1644) zur Qing Dynastie (1644 – 1911). Aus den wissenschaftlichen Forschungen und den alten Unterlagen der Chen Familie geht hervor, dass er aus verschiedenen anderen, schon sehr populären Kampfkünsten der damaligen Zeit entwickelt wurde. Unter anderem gibt es Einflüsse aus dem Langfauststil des Kaisers Taizu (taizu changquan) und auch aus dem Shaolin – Boxen (shaolinquan), was nicht weiter verwunderlich ist, da das berühmte buddhistische Kloster gerade mal 100km von dem Entstehungsort Chenjiagou entfernt liegt. Des Weiteren wurden Techniken aus dem Daojin (Kunst des Leitens und Dehnens) und dem Tuna (Atemübungen) sowie die Yin - Yang Lehre, als theoretische Grundlage für den  Stil, intergiert.
Der Ort Chenjiagou, im Kreis Wen in der Henan Provinz, ist die Heimat des Chen Klans und gleichzeitig auch die Geburtsstätte des Stils. Zur Zeit seiner Entwicklung wurde die Bezeichnung Taijiquan noch nicht benutzt, sie wurde erst viel später populär. Damals wurde der Stil einfach „Boxen des Chen Klans“ (chen shi quan fa) genannt.
Als Begründer und Entwickler ist Chen Wangting (auch als Chen Zuoting, 1597 – 1664) bekannt. Während der Ming – Dynastie hatte Chen Wangting die Position eines Generals der kaiserlichen Armee inne. Nach dem Fall der Ming – Dynastie 1644 zog er sich aus dem aktiven Dienst in das Privatleben zurück und widmete sich von nun an ausschließlich den Kampfkünsten und dem Daoismus. In dieser Zeit entwickelte er auf der Grundlage seiner Erfahrungen und intensiven Studien die neue Kampfkunst. Es entstanden mehrere Box- und Waffenformen. Außerdem entwickelte er speziell für das Training mit einem Partner neue Übungen, welche die Verletzungsgefahr minimierten. Zu diesen neuen Übungen gehörten die Technik der „schiebenden Hände“ und die „Übung des klebenden Speeres“. Viele der Formen wurden im Laufe der Zeit von anderen großen Meistern des Stils überarbeitet und verändert.

Heute kennt man folgende Formen des Chen – Stils:

  • Laojia Yilu ( 1.Form des alten Rahmens)
  • Laojia Erlu (2.Form des alten Rahmens, Paochui)
  • Xinjia Yilu (1.Form des neuen Rahmens)
  • Xinjia Erlu (2.Form des neuen Rahmens)
  • Xiaojia Yilu (1.Form des kleinen Rahmens)
  • Xiaojia Erlu (2. Form des kleinen Rahmens)
  • Dan Dao (einfacher Säbel)
  • Shuang Dao (Doppelsäbel)
  • Dan Jian (einfacher Schwert)
  • Shuang Jian (Doppelschwert)
  • Gun ( Stock)
  • Qiang (Speer)
  • Dagun (Langstock-3m)
  • Guan Dao (Hellebarde)

Außerdem beinhaltet der Stil noch verschiedene innere Übungen. Die Bekanntesten und am weitetesten verbreiteten sind das zhanzhuanggong – das Stehen wie ein Pfahl, sowie das chansigong – die Seidenübung. Beide sind sehr elementare Trainingsmethoden welche die Entwicklung unterschiedlicher Energien, die für das richtige Praktizieren des Chen – Taijiquan wichtig sind, anstreben.
Im Gegensatz zu den anderen weiter verbreiteten Hauptrichtungen des Taijiquan, kann man den Chen Stil noch als sehr ursprünglich, als noch sehr Kampf- und Kampfkunstbezogen bezeichnen. Die meisten anderen Stile des Taijiquan wurden nach und nach immer mehr dem neuen Aspekt der Gesunderhaltung und der Bewegungskunst angepasst, es wurden schwierige Passagen oder komplizierte Techniken entfernt. Der Chen – Stil beinhaltet noch alle ursprünglichen und auch schwierigen Techniken wie Sprünge und Sprungtritte oder plötzliche Kraftexplosionen, fajin genannt. Weitere Merkmale, neben den schon erwähnten, sind der ständige Rhythmuswechsel von schnell und langsam, sowie die spiralförmigen Bewegungen. Während man beim Betrachten vieler anderer Taiji – Stile heute mehr den Eindruck einer Bewegungskunst hat, so ist beim Chen – Stil die Kampfkunst nicht zu übersehen. Einige der bekanntesten Meister des Stils sind Chen Wangting, Chen Changxing, Chen Fake, Feng Zhiqiang, Chen Xiaowang, Chen Zhenglei, Mo Qiang, Jian Luo.
In der WuYi – Akademie werden die 9er Form, die 56er Wettkampfform und die 83er Xinjia Yilu, Xinjia Erlu, Chen Stil Schwert, Chen Stil Säbel,  sowie Zhangzhuanggong und Chansigong unterrichtet.